Reviews

PRIPJAT – SONS OF TSCHERNOBYL REVIEW BY MUSIKREVIEWS.DE | 11/15

PRIPJAT – SONS OF TSCHERNOBYL REVIEW BY MUSIKREVIEWS.DE | 11/15

Die atomare Bedrohung in Zeiten des Kalten Krieges war seit jeher ein beliebtes Thema bei Thrash-Metal-Bands. Dass sich daran bis heute nicht viel geändert hat, beweisen PRIPJAT. Die Kölner Thrasher legen knapp zwei Jahre nach dem Demo ihr Debütalbum nach, das den gleichen Titel trägt: „Sons Of Tschernobyl“. Angesichts der Nuklearkatastrophe von 1986 fühlt es sich zwar nicht ganz richtig an, von einem explosiven Album zu sprechen – aber was soll man machen, wenn es nun mal so ist?

Nicht nur inhaltlich gibt es Querverweise in die 80er, auch musikalisch haben sich PRIPJAT dem klassischen Thrash Metal verschrieben. Dass dieses Rad nicht neu erfunden werden kann, ist klar, das ist aber auch nicht das Ziel des Quartetts. Man hört folglich immer mal wieder heraus, welche Bands für PRIPJAT besonders einflussreich sind, stören sollte da aber niemanden. Zumal der kreischig-keifige Gesang von Kirill Gromada ein ordentliches Maß an Eigenständigkeit mit sich bringt. Die Band hat sich zudem insbesondere zu Herzen genommen, dass Thrash Metal schnell sein muss, Midtempo etwas für Pussies ist und bestenfalls mal in einzelnen Parts der Fuß vom Gas genommen werden darf.

So prescht der Opener „Nuclear Chainsaw“ sofort mit hohem Tempo und einem so simplen wie wirkungsvollen Riff hervor und stimuliert die Nackenmuskulatur. Das vom Demo bekannte „Liquidators“ (mit „Ликвидаторы“ ist der Song am Ende nochmal in russischer Sprache vertreten) kombiniert die Essenz von KREATOR und SLAYER, letztgenannte dürfen auch stellvertretend für den groovigen Anfang von „Acid Rain“ stehen. Dass „Born To Hate“ etwas ruhiger startet (schöne WATAIN-Melodie übrigens…), ist ein Täuschungsmanöver, denn danach wird aus dem Song ein geiles Geschoss mit Genrehitqualitäten. „Snitches Get Stitches“ ist nicht nur auffällig betitelt, sondern geht auch als OVERKILL-Hommage mit zwischenzeitlichem abgepfiffenem MEGADETH-Gedächtnispart durch. Cooles Teil.

Der eingeschlagene Weg wird im weiteren Verlauf unbeirrt weiterverfolgt, bei „Destruction Manifesto“ streut man zur Abwechslung auch mal ein paar Blastbeasts ein. Legt man besonderen Wert darauf, dass eine Band einen ganz eigenen Sound hat, so mag man mit PRIPJAT vielleicht seine Probleme haben. Wenn man jedoch darauf steht, dass eine Band einen Stil so spielt, dass man sich sofort „zuhause“ fühlt und auch noch in der Lage ist, das mit guten Songs zu untermauern, dann wird man an „Sons Of Tschernobyl“ seine helle Thrash-Freude haben. So oder so gibt es aber auch einen wirklichen Kritikpunkt, denn das Schlagzeug klingt ein bisschen hölzern scheppernd und würde deutlich mehr Punch vertragen.

FAZIT: Gelungener Einstand für PRIPJAT – hier wird der traditionell veranlagte Thrasher ordentlich bedient.[Album bei Amazon kaufen]

Andreas Schulz (Info)
Comments

%d Bloggern gefällt das: